Huxley 2 bei Exit VR: Mit dem Luftschiff ins Abenteuer

Das VR-Spiel Huxley erschien erstmals 2017 und feiert seitdem große Erfolge. Nun gibt es endlich einen zweiten Teil! Zusammen mit dem Podcast Storyville habe ich mich in die abenteuerliche Steampunk-Welt gewagt. Besonders genau hingeschaut haben wir natürlich in Punkto Storytelling.

Es ist nun zwei Jahre her, seit ich Huxley zum ersten Mal kennenlernen durfte. Huxley ist ein sonderliches Wesen: ein kleiner Roboter mit süßen Kulleraugen, der Stimme eines ausgewachsenen Mannes und einem undurchsichtigen Charakter. So ganz weiß man nicht: Ist er böse oder gut? Was führt er im Schilde?

Huxley: Virtual Reality trifft auf Escape Game

Huxley ist Namensgeber und Protagonist eines mittlerweile äußerst erfolgreichen Mehrspieler-VR-Game. Zu erleben ist es nicht zuhause am heimischen PC, sondern ortsbasiert in einer von acht Spielstätten in Deutschland. Auch weltweit ist das Spiel mit weiteren 17 Standorten verbreitet (sogar in Australien und Südafrika!).

Wir waren Anfang April im Luftschutzbunker des alten DDR-Fernmeldeamtes in Berlin. Dort kann man sich in Escape Rooms einschließen lassen, in speziell dekorierte Räume, aus denen man dann möglichst schnell wieder herauskommen muss, indem man Rätsel löst.

Oder aber man betritt mit Hilfe von VR-Technik die Welt von Huxley, die komplett virtuell und so noch vielseitiger ist. Betreiber Exit VR, ein Joint Venture zwischen dem Escape-Game-Anbieter Exit und der Berliner Produktionsfirma Trotzkind, spricht von einem „virtuellen Live Escape Abenteuer“.

Allerdings will man aus der Welt von Huxley gar nicht so schnell wieder entkommen – dafür ist sie viel zu faszinierend. Seit Frühjahr 2019 gibt es jetzt endlich auch Teil 2.

Konstantin vom Storyville-Podcast und ich, beide seit dem ersten Teil große Huxley-Fans, wollten das natürlich sofort testen. Damit wir zu viert spielen konnten, mussten unsere beiden Liebsten mit. Meiner ist es schon gewöhnt, dass er allerhand VR-Schabernack mit mir durchmachen muss, und fügte sich mit großem Eifer in sein Schicksal.

Prequel im Steampunk-Look

Teil 1 mit dem bezeichnenden Namen HUXLEY: Save The Future spielt in einer fernen Zukunft, im Jahr 3007. Die Menschheit ist nahezu ausgelöscht. Huxley, ein super intelligentes und super mächtiges Roboter-Wesen, will das so nicht hinnehmen. Zusammen mit ihm kämpfen die letzten Überlebenden, die Spieler*innen, um einen Neuanfang.

Szene aus Huxley -Teil 1 © EXIT Adventures GmbH
So sah es noch in Teil 1 aus: Im Jahr 3007 trafen wir erstmals auf Huxley. © EXIT Adventures GmbH

In HUXLEY 2: The Adventure Begins geht die Geschichte nicht etwa weiter, wie man erwarten könnte. Stattdessen wurden wir ins Jahr 1872 versetzt. Dort sollten wir einer alten Legende nachgehen: Ihr zufolge hatten Wissenschaftler 1790 eine neue Energiequelle in der Antarktis entdeckt, die schließlich viele Jahrhunderte später zur Apokalypse führen sollte.

Unsere Aufgabe war es, rund 100 Jahre nach der ersten Entdeckung, eben diese Energiequelle zu finden. Uns zur Seite stand – wie kann es anders sein – ein kleiner (und fabrikneuer) Roboter mit Kulleraugen.

Vier Avatare fliegen mit Huxley um die Welt

Doch beginnen wir von vorne: In zwei Räumen des Bunkers bekamen wir zunächst eine kleine Einführung, bevor man uns je einen Rucksack-PC und eine HTC Vive-Brille aufsetzte. Damit wir uns nicht allzu sehr in die Quere kamen, wurden wir in Zweierteams auf die beiden (realen) Räume aufgeteilt.

Unsere Ausrüstung für Huxley 2 von Exit VR: Rucksack-PC von XMG, Controller, HTC Vive VR-Brille und Noise-Cancelling-Kopfhörer von Bose. © VR Geschichten
Unsere Ausrüstung im Bunker unter dem Berliner Alexanderplatz: XMG Rucksack-PC, HTC Vive VR-Brille plus Controller, sowie Noise-Cancelling-Kopfhörer von Bose. © VR Geschichten

Dann ging es los und ab in die VR: Dort befanden wir zu viert in ein und demselben Raum, konnten uns gegenseitig sehen und miteinander sprechen. Zuerst durften wir uns an einem Automaten unsere Erscheinungsbilder aussuchen. Diese Avatare waren nicht wie im ersten Teil kleine Tiermasken mit Händen, sondern richtige Figuren. Als Leder-Lady oder mürrischer Muskelprotz fügten sie sich nahtlos in das Steampunk-Universum ein und trugen so hervorragend zur Immersion bei.

Kaum waren wir in unsere neuen Körper geschlüpft, begann die Geschichte. Es blieb uns wenig Zeit, uns an die Umgebung zu gewöhnen, die voller schöner Details aus dem 19. Jahrhundert war. So hatten wir Mühe, dem Video eines grauhaarigen Professors aufmerksam zu folgen, das uns auf einer Leinwand präsentiert wurde und uns unsere Aufgabe erläuterte.

Rätsel lösen im Team

Als das aber geschafft war, lernten wir erstmals unser spektakuläres Transportmittel kennen: ein Luftschiff. Mit einem Aufzug fuhren wir mitten in die runde Innenkabine hinein, die sich um uns herum aufbaute. Die Ausstattung bestand aus einem Heizkessel, mehreren Instrumenten zum Navigieren und einigen Guckaugen, die, einmal geöffnet, einen wundervollen Rundumblick auf die Landschaft unter uns boten.

Das Luftschiff aus Huxley 2 von Exit VR© EXIT Adventures GmbH
Hier ist es in voller Pracht: unser wunderbares Transportmittel. © EXIT Adventures GmbH

Allerdings flog unser absonderliches Gefährt nicht von alleine: Die ersten Aufgaben für unsere Mission drehten sich daher allesamt um die korrekte Handhabung und Steuerung des Luftschiffes. Hier zeigte sich bereits, was uns bei Huxley 1 so großen Spaß gemacht hatte: Keines der Puzzles konnte man alleine lösen.

Huxley 1 hatten wir lediglich zu zweit bzw. zu dritt gespielt (Konstantin und seine Podcast-Kollegen erzählen hier davon). Um die Rätsel zu knacken, musste das Team sich räumlich aufteilen und jedes Teammitglied war für eine andere Aufgabe verantwortlich.

Dieses Prinzip erwarteten wir also auch bei Huxley 2. Doch in unserem Luftschiff schienen die Arbeitsschritte nicht ganz für vier Leute auszureichen. Wir hätten es eventuell gar zu zweit fliegen können – hätten wir nur auf Anhieb verstanden, wie es funktionierte. Dank Hinweisen von Roboter Huxley und unserer Game-Masterin, einer Mitarbeiterin, die uns bei allen Schwierigkeiten heldenhaft zur Seite stand, schafften wir es dann schließlich doch.

Dass es uns nicht auf Anhieb gelang, lag leider auch an einigen technischen Problemen, mit denen wir (und die Spielleiterin) zu kämpfen hatten. So fiel noch vor der ersten Aufgabe mehrmals Bild oder Ton aus, und auch das Tracking sowie die Spielmechanik waren manchmal fehlerhaft. Im Luftschiff hatte ich Schwierigkeiten, einige Hebel zu bewegen, und stolperte mehrmals über meinen armen Mitspieler.

Laut Exit VR sollten solche Probleme aber bald behoben sein: Derzeit wird fast wöchentlich eine neue Version erstellt.

Was uns umgehauen hat: Die detailreichen und phantasievollen Welten in Huxley 2. © EXIT Adventures GmbH
Was uns umgehauen hat: Die detailreichen und phantasievollen Welten in Huxley 2. © EXIT Adventures GmbH

Knobeln zwischen Monsterpflanze und Mauer

Schließlich gelangten wir trotz alledem zu unseren Zielen, mehreren einsamen Inseln mitten im Ozean, wo uns weitere Teilmissionen und Rätsel erwarteten. Unter anderem hatten wir es dort mit einer fiesen, fleischfressenden Pflanze zu tun. Die Inselwelten waren wunderschön anzusehen und voller Überraschungen. An manchen Aufgaben hatten wir übrigens ganz schön zu knabbern, da sie doch recht anders waren als die klassischen Puzzle-Spiel-Aufgaben des ersten Teils.

Ein weiterer Unterschied fiel Konstantin auf: Huxley 2 ließ uns weniger Bewegungsmöglichkeiten. Während wir in Huxley 1 den Raum mittels fahrender Plattformen und Teleportern hatten erkunden können (und müssen), setzte uns das Luftschiff direkt an den Zielen ab.

Dort angekommen blieben wir innerhalb einer begrenzten Spielfläche. Verständlich, denn schließlich sind Inseln keine Raumschiffe und haben (in der Regel) keine Aufzüge. Vor allem für VR-Neulinge ist dies eine sichere und intuitive Variante. Erfahrene Spieler*innen könnten sich hingegen etwas eingegrenzt fühlen.

Das große Finale: Huxley auf Mission

Am action-reichsten war die letzte Aufgabe. Sie hatte so gar nichts mehr mit Rätseln und Grübeln zu tun. Auch visuell war sie ein wahres VR-Spektakel. Allerdings zeigte sich an ihr die wohl größte Schwierigkeit der Geschichte rund um Huxley und seine Energiequelle: Denn diese Herausforderung war der Höhepunkt der Mission. Hier entschied sich: Sieg oder bittere Niederlage?

Sieg oder Niederlage? Leicht wurde es uns nicht gemacht! © EXIT Adventures GmbH
Gewinnen oder verlieren? Leicht wurde es uns nicht gemacht! © EXIT Adventures GmbH

Doch nicht wir waren es, die das Schicksal der Menschheit in ihre Hände nahmen – es war Huxley. Er machte sich auf, um die Mission zu erfüllen, während wir nahe des Luftschiffes zurückblieben. Unsere Rolle bestand darin, ihm mit vereinten Kräften (und ziemlich wörtlich) den Rücken freizuhalten. Was bedeutet das für die Dramaturgie?

In einem Film könnte man sich das so vorstellen: In der finalen Szene schwenkt die Kamera plötzlich von der kämpfenden Heldin weg und zeigt bis zum Ende nur noch ihren am Rand des Kampfplatzes sitzenden Großvater, der den Angreifern reihenweise ein Bein stellt. Was wäre das für eine spaßige Angelegenheit – allerdings eben nur ein Nebenschauplatz und nicht Teil der eigentlichen Geschichte.

So blieb bei uns ein unbefriedigendes Gefühl zurück, als wir gewonnen hatten: War es ein verdienter Sieg? Ein unverdienter? So ganz konnten wir es nicht sagen.

Huxleys Abenteuer sind hoffentlich noch lange nicht vorbei. © EXIT Adventures GmbH
Huxleys Abenteuer sind hoffentlich noch lange nicht vorbei. © EXIT Adventures GmbH

Fazit: Visuell eine Wucht, doch das Original bleibt ungeschlagen

Unser abschließendes Urteil fällt entsprechend gemischt aus. Huxley 2 ist auf jeden Fall ein großartiges Erlebnis für alle, die Spaß an Videospielen und Escape Rooms haben. Visuell waren wir vom zweiten Teil hin und weg. Ebenso hat uns die Idee, Huxleys Vergangenheit zu behandeln, sehr gut gefallen.

Bei Geschichte und Gesamterlebnis bleibt Huxley 2 jedoch hinter seinem hervorragenden Vorgänger Huxley 1 zurück, der – das muss man fairerweise sagen – die Latte ziemlich hoch gehängt hat: Denn obwohl die Backstory im zweiten Teil ausgefeilter ist als im ersten, so fehlte uns bisweilen der rote Faden, der die Teil-Aufgaben zu einer großen Mission verbindet. Und auch die Arbeit im Team hätte nach unserem Geschmack noch ein wenig mehr Raffinesse vertragen.

Es ist also noch Luft nach oben für den dritten Teil, der, so steht es in einer Pressemitteilung, bereits in Planung ist. Ich kann es kaum erwarten, Huxley und seine Kulleraugen wieder zu sehen!

Bis dahin macht Euch doch selbst ein Bild. Unsere Empfehlung: auf jeden Fall beide Teile ausprobieren!

Wir haben gewonnen! Team Storyville links, Team VR Geschichten rechts. Zusammen waren wir "Team Voyager"!
Gewonnen! Team Storyville links, Team VR Geschichten rechts. Zusammen waren wir „Team Voyager“! Und Konstantin (ganz links) könnte ruhig ein wenig euphorischer gucken.

Wir haben Huxley 2 im Team-Modus gespielt, vielen Dank an Exit VR für die Einladung. Es gibt aber auch noch den sogenannten Battle-Modus, wo die Teams nicht miteinander spielen, sondern gegeneinander antreten. Das Spiel kostet je nach Teamgröße rund 26 bis 37 Euro pro Person und dauert 44 Minuten.

Und wenn Ihr Konstantin und mich im Podcast erleben wollt: In dieser Storyville-Episode reden wir ganz ausführlich über Huxley 2. Hört doch mal rein!

Nur, um das noch einmal klar zu stellen: Ja, man kann natürlich auch verlieren! Danke an das Exit VR-Team, dass Ihr es nicht so weit habt kommen lassen…

Veröffentlicht von Pola Weiß

#Diplom-Psychologin #Filmtante #Kino-Binge-Gängerin #Fernseh- und Online-Redakteurin ## Ich liebe gut erzählte Geschichten, egal wo. Während meiner spannenden Arbeit als Medienarbeitsbiene (u.a. für SWR und arte) bin ich auf die unglaubliche Welt von Virtual Reality gestoßen. 2017 habe ich schließlich VR Geschichten gegründet und entdecke seitdem von Berlin aus die unendlichen VR Weiten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.